Der Tourismus in Portugal hat in den vergangenen zwei Jahren Rekordzahlen erreicht – mit über 31 Millionen Besuchern im Jahr 2024.
Auch wenn es die Küstenwunder der Algarve-Region und die historischen Schlösser von Sintra sind, die Touristen oftmals anlocken, habe ich die siebenstündige Reise aus Gründen angetreten, die nichts mit Fernweh zu tun hatten.
Portimão in Portugal ist die Heimat von Afro Nation, dem größten jährlichen Afrobeats-Festival der Welt – und in diesem Sommer gehörte ich zu den 40.000 Festivalbesuchern.
Obwohl es definitiv ein Erlebnis auf meiner Wunschliste war, an dem atemberaubenden Strand Portugals zu den Sounds von Burna Boy und Tems live zu tanzen – ein Erlebnis, das ich für nichts auf der Welt eingetauscht hätte –, bin ich mir nicht sicher, ob ich es so wiederholen würde.
Bitte nicht falsch verstehen: Diese Erkenntnis hat nichts mit einer enttäuschenden Erfahrung zu tun. Es ist absolut nichts Langweiliges daran, von Damini oberkörperfrei besungen zu werden. Portugal selbst war auch nicht enttäuschend.
Stattdessen hatte ich am Ende aber das Gefühl, Portugal gar nicht wirklich besucht zu haben. Vielmehr hatte ich an einer Veranstaltung teilgenommen, die zufällig dort stattfand.
Portugal-Reise war eine verpasste Chance
Irgendwo zwischen Tag zwei und Tag drei wurde es mir klar: Ich war zwar in Portugal, aber ich sah das Land nicht wirklich. Meine Tage verbrachte ich nicht damit, durch gekachelte Gassen zu schlendern oder gesalzenen Kabeljau am Wasser zu essen. Stattdessen verbrachte ich jede freie Minute damit, mich im Resort auszuruhen, Essen zu bestellen, mich umzuziehen und dann wieder zurück an den Strand zu gehen – nicht zum Schwimmen, sondern für weitere zwölf Stunden Musik.
Günstig war das Erlebnis auch nicht gerade. Abgesehen von den mehr als 500 Euro, die ich für die Festivaltickets ausgegeben hatte, waren auch Essen und Getränke auf dem Gelände teuer, und die Fahrten mit Fahrdiensten kosteten weit mehr, als ich geplant hatte – wahrscheinlich wegen der Menschenmassen.
Ich bereue nicht, was ich für das Erlebnis ausgegeben habe. Trotzdem frage ich mich, wie es wohl gewesen wäre, das Geld stattdessen auf einem Flohmarkt in Lissabon auszugeben oder für einen Kochkurs, in dem mir ein Einheimischer zeigt, wie man Pastel de Nata macht.
Am letzten Festivaltag hatte ich eine Erkenntnis: Das war nicht die Reise, für die ich mich angemeldet hatte. Ich war zwar in Portugal, sicher, aber ich hätte genauso gut irgendwo anders sein können.
Der Strand hätte in Miami sein können. Das Resort hätte in Cancún stehen können. Das Einzige, was an meiner Reise portugiesisch war, war der Wechselkurs.
Zwei Tage nach dem Festival hatte ich zwar etwas Zeit, Lissabon zu erkunden, aber es war bei Weitem nicht genug. Ich war erschöpft nach drei Tagen auf den Beinen, singend und tanzend. Und nach all den Fahrdiensten, die wir bestellt hatten, brauchten sowohl meine Füße als auch mein Geldbeutel eine Pause.
Als ich zu Hause war, fiel mir auf, dass mein Instagram-Feed voller Portugalreisen anderer Leute war: Sonnenuntergänge auf Segelbooten in Portimão, Wein in Porto, Nebel, der über den Schlössern von Sintra hing. Ich hatte das Gefühl, dass sie Portugal gesehen hatten. Ich hatte ein Festival gesehen, das zufällig dort stattfand.
So will ich künftig meine Reisen gestalten
Ich bereue meine Reise nicht – Afro Nation selbst war unvergesslich. Ich liebte die Musik, das Chaos, das Gefühl, von einer globalen Community umgeben zu sein, die alle gemeinsam unter demselben Himmel Burna Boy singen.
In einer idealen Welt könnte ich zu Afro Nation zurückkehren – mit drei oder vier zusätzlichen Tagen, um wirklich herumzustreifen. Doch zusätzliche Tage bedeuten zusätzliche Kosten für Essen, Unterkunft und die Erlebnisse, nach denen ich mich sehne – und leider hatte ich keinen unbegrenzten Urlaub.
Ich habe gelernt, dass meine Vorstellung von der perfekten Reise sich nicht um ein internationales Festival oder ein spezielles Erlebnis dreht. Ich möchte nicht über den Ozean fliegen, nur um in einer Menschenmenge zu stehen.
Meine Art zu reisen beinhaltet definitiv Sonne, Sand und Getränke ohne Ende – aber auch Neugier. Ich möchte umherstreifen, lernen und wirklich sehen, wo ich bin.
Ich würde sagen, dass Portugal weiterhin auf meiner Reiseliste steht – obwohl ich dort war, habe ich es kaum berührt. Beim nächsten Mal fahre ich nicht wegen einer Bühne am Strand. Ich fahre wegen des Landes.