HIER SPIELT DAS MEER MUSIK – DESHALB IST DIESE KROATISCHE STADT EINE REISE WERT

Zadar

Hier spielt das Meer Musik – deshalb ist diese kroatische Stadt eine Reise wert

Die Stadt Zadar überrascht mit einer Rarität an der Uferpromenade. Nationalparks und Seen nur wenige Fahrstunden entfernt verzaubern mit Natur pur.       

Man kann es nicht anders sagen: Nikola Bašić hat damals, vor 21 Jahren, eine geniale Idee gehabt. Nun ist das mit Ideen mitunter so eine Sache. Im Kopf hat man sie, dort weiten sich mitunter zu einmaligen Kunstwerken aus. Und doch sind sie zunächst nur Illusion. Dann, auf dem Weg zur Umsetzung, tun sich Hürden auf. Na ja, und nicht selten landen die Pläne schließlich in der Tonne.    

Nikola Bašić ist kroatischer Architekt, und über seine Idee sagt er: „Ich wollte etwas Neues schaffen für die Stadt, abseits des Kommerziellen wie dem Bau von Geschäften oder Cafés mit Außenterrassen.“ Für ihn sei kollektive und individuelle Identifikation einer Stadt wichtig, eine Einzigartigkeit, wenn man so will. Den Plan, den er sich damals ausgedacht hatte, ließ er tatsächlich umsetzen: eine Meeresorgel entlang der Uferpromenade in Zadar, einer 70.000-Einwohner-Stadt an der kroatischen Küste. Klingt auf den ersten Blick merkwürdig. Eine Meeresorgel? Wie darf man sich das vorstellen - womöglich ein riesiges Instrument, das unten am Meeresgrund liegt? Dringen die Töne dieser Orgel tatsächlich bis nach oben?

Der Sonnenuntergang ist in Zadar ein besonderes Ereignis

Viele Fragen, auf die täglich viele Menschen in Zadar nach einer Antwort suchen. Ebenso wie an diesem lauen Abend, an dem die Besucher nicht nur neugierig auf die Klänge der Meeresorgel sind. Sondern auch auf den Sonnenuntergang, der im Reiseführer als lange bleibendes Erlebnis angepriesen wird. Das lockt Menschen aus aller Welt an diesen Ort.

Um das Geheimnis von Bašićs Meeresorgel zu lüften. Es ist ein 70 Meter breites Instrument, das aus steinernen Treppenreihen besteht, die ins Meer führen. An den Stufen der Treppenreihen ließ der Architekt kleine Öffnungen anbringen. Die Wellen klatschen nicht nur gegen die Ufermauer, sondern erreichen auch die erwähnten Öffnungen und erzeugen unterschiedliche Töne, eine Naturmusik, wenn man es so nennen will. 35 unterschiedlich lange Rohre sind an den Enden mit Pfeifen versehen und befinden sich unterhalb der Treppen.

Ein ausgeklügeltes System, ausgedacht von einem, dem bewusst gewesen sein muss, was Töne und Klänge bei uns auslösen können: Verwunderung, Begeisterung, ein Innehalten und auch das Gefühl, einen magischen Moment zu erleben.  

Zadar ist eine Stadt mit mediterranem Flair

Jeden Abend steigt hier eine große Party – mit mitgebrachten Weinflaschen samt Gläsern, Take-Away-Pizza und bester Laune. Zadar bietet aber noch mehr. Die sehr alte Stadt an der adriatischen Küste in Dalmatien hat eine bewegte Geschichte, die an vielen Stellen sichtbar ist: beeindruckende Gebäude aus unterschiedlichen Epochen, aus der Antike, Renaissance oder aus dem Mittelalter. Viele sind erstaunlich gut erhalten. Obwohl es das Schicksal nicht immer gut meinte mit Zadar. Mal besetzt, mal geplündert und auch oft zerstört.

Heute hat die Stadt, in der die erste kroatische Universität entstand, ein mediterranes Stadtflair mit gemütlichen Restaurants, Klubs für junge Leute und zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Etwa die Kathedrale der heiligen Anastasia, das Forum aus der Römerzeit und die Skulptur „Gruß an die Sonne“ am Ufer. Womit wir erneut bei Nikola Bašić wären. Er ließ 300 Glasplatten in den Boden versenken, angeordnet in einem Kreis mit 22 Metern Durchmesser. Unter denen befinden sich Solarzellen, die die Sonnenenergie aufnehmen können. Abends gibt es dann das Ergebnis zu bewundern: Im Rhythmus mit den Klängen der Meeresorgel lässt das wechselnde Licht geometrische Figuren entstehen, Kreise oder Ornamente. Ein Spiel für alle Sinne.

Wie ist der Künstler auf all das gekommen? Wo fand er seine Inspiration? Deshalb ein Ausflug von Zadar in jene Richtung und Gegend, in der der Architekt als Kind und Jugendlicher lebte. Auf nach Süden. Das Ziel „Vransko Jezero“, ein See und zugleich ein ökologisches Juwel – zudem ganz in der Nähe von Bašićs Heimatinsel Murter. Hier scheint die Natur nahezu unberührt. Wir haben uns auf den Weg zum Aussichtspunkt Kamenjak gemacht, um von dort oben einen Blick auf den Vrana-See sowie auf die Insel Murter zu haben.

Ein seltenes Farbenspiel am Süßwassersee Vransko Jezero

Wer hier Platz nimmt, auf diesem Plateau mit Ruhebänken und vielen Infotafeln, ist erst mal beschäftigt. Das ist wie großes Kino ohne Ton. Ein selten zu erlebendes Farbenspiel – einerseits der Süßwassersee „Vransko Jezero“ (smaragdgrün glitzernd), gleich daneben das Adriatische Meer (azurblau schimmernd). Und schließlich die Insel Murter, wo Nikola Bašić ohne Autos und Elektrizität aufgewachsen ist, aber eben mit der Naturgewalt des Meeres vor der Haustüre.   

Der See ist lediglich durch einen porösen Kalksteinwall vom offenen Meer getrennt ist. Das bedeutet, dass durch feine Risse salziges Meerwasser in geringen Mengen ins Innere dringt und sich mit dem Süßwasser vermengt. Was wiederum zur Folge hat, dass in diesem Brackwasser-Biotop bis zu 20 verschiedene Fischarten eine Heimat gefunden haben.

Die Plitvicer Seen sind Kroatiens ältester Nationalpark

Den Abstecher zum Nationalpark der Plitvicer Seen, mit dem Auto eineinhalb Stunden entfernt von Zadar. muss man natürlich machen. Kein Wunder, dass die Produktionsteams vieler Karl-May-Filme wiederholt die kroatische Küste ansteuerten und in Winnetou-Serien oder im „Der Schatz im Silbersee“ diese Gegend verewigten. Mächtige Wasserfälle, geheimnisvolle Höhlen, eine Flora und Fauna, die an dichte Urwälder Südamerikas erinnert. Und je näher man den Eingängen des Nationalparks kommt, desto einsamer wird es um einen herum. Das ändert sich auch nicht, wenn man das Auto auf dem Parkplatz der Plitvicer Seen abstellt. Irgendwie macht sich das Gefühl breit, in einer anderen Zeit angekommen zu sein. Zumindest was das touristisch-gastronomische Ambiente betrifft. Es wird nur das offeriert, was man unbedingt benötigt, um in die Welt des ältesten und größten Nationalparks Kroatiens einzutauchen: 300 Quadratkilometer, 16 kaskadenförmig angelegte Seen und Wasserfälle an jeder Ecke, die man auf seiner Tour passiert. Die Gäste des Parks können sich gut orientieren, obwohl Infotafeln und Wegweiser dezent eingesetzt sind.

Wobei es auch bei diesem Unesco-Welterbe, das der Region wichtige Einnahmen beschert, nicht anders ist, als anderswo: Die Balance zu halten zwischen Tourismus und Naturschutz ist kein einfaches Unterfangen und fällt je nach Blickwinkel unterschiedlich aus in der Beurteilung. Umweltaktivisten warnen beispielsweise regelmäßig vor einer dauerhaften Verunreinigung des Grundwassers, verursacht durch vermehrtes Bauen rund um die Eingänge. Die andere Seite betont, mit Bedacht vorzugehen beim Errichten neuer Unterkünfte für Urlauber.

Was für den Gast im Land der fallenden Seen bleibt: Das Eintauchen in eine Art Märchenwelt, die an vielen Stellen unwirklich und fantastisch wirkt, und das Staunen über die Kräfte der Natur, die den Menschen winzig klein erscheinen lässt. Egal, ob an der Meeresorgel oder hier im Reich der Wasserfälle.       

2026-08-06T10:18:58Z